„Was an dieser Grenze seit so vielen Jahren passiert, das ist keine Ausnahme, sondern das ist die Regel. Ich arbeite seit so vielen Jahren hier und habe immer wieder Leute getroffen, deren Verletzungen sichtbar waren. Es war nicht so, dass ich lange fragen musste, wer denn geschlagen worden ist – es ist grausam, das sind wirklich sadistische Methoden, die da angewendet werden“, so Adelheid Wölfl, langjährige Südosteuropa-Korrespondentin für Der Standard, einer österreichischen Tageszeitung. Vielen Menschen werde außerdem beim Versuch der Grenzüberquerung nach Kroatien alles weggenommen, was sich für die weitere Flucht als wichtig erweisen könnte, u.a. Handys, Schuhe und Geld.

Für unseren #machdoch Podcast sind wir mit der Journalistin ins Gespräch gekommen. Adelheid Wölfl hat durch ihre journalistische Arbeit vor Ort einen direkten Einblick in die drastische Situation an der EU-Außengrenze in Bosnien und Herzegowina und berichtet von der allgegenwärtigen Gewalt seitens der Grenzpolizei.

Im Podcast gewährt die Journalistin einen fundierten Einblick in den politischen Hintergrund der Situation, erzählt von Reaktionen seitens der lokalen Bevölkerung in Bosnien und Herzegowina und macht außerdem auf die außerordentlich hohe Priorität zivilgesellschaftlicher Solidarität aufmerksam: „Nothilfe vor Ort ist extrem notwendig und hilfreich – außerdem entspricht es dem, was man eben an Mitmenschlichkeit zeigen sollte“, so Adelheid Wölfl. Weiterhin sei es vor allem wichtig, Menschenrechtsverletzungen, die beispielsweise an der Grenze nach Kroatien seitens der Grenzpolizei begangen werden, konsequent zu dokumentieren und aufzuzeigen – auch dies wird nicht von Staaten übernommen, sondern vornehmlich von zivilgesellschaftlichen Initiativen und bleibt dementsprechend notwendig, bis politische Lösungen geschaffen werden.

Unser Motto heißt weiterhin #weitersolidarisch. Mit unserer Projektpartnerin Amila, die in Tuzla gemeinsam mit anderen Aktivist*innen einen Versorgungsraum betreut und Spendengüter an Geflüchtete verteilt, sind wir nach wie vor in stetigem Kontakt. Ihre Erzählungen decken sich mit den Beobachtungen der Journalistin – auch Amila zeigt sich immer wieder schockiert über die brutalen Methoden, die die Grenzpolizei tagtäglich gegen Geflüchtete anwendet und berichtet von den prekären Bedingungen, die Geflüchtete in Bosnien und Herzegowina aushalten müssen.

Humanitäre Hilfe funktioniert immer nur punktuell und schafft keine politischen Lösungen. Bis die wiederum geschaffen werden, ist sie lebensnotwendig. Besonders wichtig ist, laut Amila, zurzeit beispielsweise die Ausgabe von Schuhen – „denn die sind natürlich Bedingung dafür, dass die Menschen weiterziehen können“, so die Aktivistin. Davon berichtet auch Adelheid Wölfl: Vielen Geflüchteten werden beim Versuch der Grenzüberquerung beispielsweise ihre Schuhe weggenommen – kilometerweit müssen sie dann im Winter barfuß durch den Schnee stapfen.

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