Das Königreich Jordanien grenzt an Syrien, den Irak und Israel. Unter den Ländern im Nahen Osten gilt es als relativ sicher für geflüchtete Menschen; für die Europäische Union ist das Land der stabile Partner im Nahen Osten. Doch das bringt auch enorme Herausforderungen mit sich: Aufgrund von Kriegen in den Nachbarländern, leben heute 750.000 anerkannte Geflüchtete in Jordanien; die jordanische Regierung geht insgesamt sogar von mehr als einer Million geflüchteten Menschen aus. Laut dem UN-Flüchtlingshilfswerk liegt der Anteil von Geflüchteten an der Gesamtbevölkerung weltweit nur im Libanon noch höher.  

In Jordanien stammen die meisten Menschen mit Fluchterfahrungen aus dem vom Bürgerkrieg betroffenen Nachbarstaat Syrien – zwar versucht die dortige Regierung Angebote zu schaffen, damit die Syrer*innen wieder zurück in ihre Heimat gehen, doch trauen wollen viele dem Assad-Regime nicht. Fast jede*r kennt Berichte über Rückkehrer*innen die als „Dissident*innen“ in Gefängnisse gesperrt oder gefoltert wurden. Die Angst ist zu groß, um in das von Krieg und Zerstörung gezeichnete Land zurückzukehren. Obwohl der Grenzübergang nach Syrien mittlerweile wieder offen ist.

Auch wenn die kriegerischen Auseinandersetzungen nicht in Jordanien selbst stattfinden, ist das Land aufgrund seiner Lage sehr von den Entwicklungen der letzten Jahre geprägt. So führen mangelnde Ressourcen und fehlende Infrastruktur zu enormer Arbeitslosigkeit in der jordanischen Bevölkerung und das Wirtschaftswachstum bleibt aus. Noch betroffener davon sind geflüchtete Menschen, die nur in geringem Maße Zugang zu ausreichender Versorgung haben und stark von Armut betroffen sind. Ein paar von ihnen finden einen Job, sind aber oft dennoch weiterhin auf zusätzliche Hilfszahlungen vor Ort aktiver Nichtregierungsorganisationen und internationalen Programmen wie der UNO Flüchtlingshilfe angewiesen. Hinzu kommt in dieser Situation zu allem Überfluss die Pandemie.

Fast die Hälfte der Geflüchteten sind Kinder und Jugendliche. Schon vor der Covid-19-Pandemie gab es für sie nur einen eingeschränkten Zugang zu (Schul-)Bildung. Da sich viele Familien schon Lebensmittel und Hygieneprodukte kaum leisten können, steht eine kostenintensive weiterführende Bildung oft gar nicht zur Debatte. So besuchen, laut Human Rights Watch, geflüchtete Kinder meist nur die Grundschule. Hinzu kommt, dass an den Schulen kaum praktische Kenntnisse vermittelt werden, die auf dem Arbeitsmarkt gebraucht werden. Dies gilt insbesondere für den Umgang mit Computern und für grundlegende IT-Kenntnisse – wichtige Voraussetzungen für einen erfolgreichen Einstieg in das Berufsleben. Stattdessen müssen viele Jugendliche arbeiten gehen, um der Familie den Rücken freizuhalten. Perspektiven ergeben sich dadurch wenige – diese Schritte sind eher kurzfristige als langfristige Lösungen, um die Bedarfe der Familien zu decken. Viele hoffen auf die Chance in ein internationales Resettlement-Programm aufgenommen zu werden, also den dauerhaften Neubeginn in einem meist westlichen Staat. Die Chancen dafür stehen spätestens seit der Corona-Pandemie sehr schlecht. So bleibt der Alltag oft nicht mehr als ein Überlebenskampf bis zur nächsten Woche, allerhöchstens bis zum nächsten Monat.

 

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